Mediengespräch am World Pancreas Forum 6. Februar 2020

Medienmitteilung: Fortschritte bei Diagnose und Therapie
von Pankreaskrebs geben Anlass zur Hoffnung

Pankreaskrebs ist eine ernste Erkrankung. Die lange Symptomlosigkeit verzögert die Diagnosestellung und erschwert die Therapie, weil der aggressive Tumor schnell Ableger bildet. Neue Diagnostik- und Therapieansätze wie frühe Stoffwechselindikatoren, genetisches «Profiling», moderne Immuntherapien oder neue Chemotherapeutika schüren Zuversicht. Diese Fortschritte stehen im Zentrum des heute und morgen in Bern stattfindenden «World Pancreas Forum (WPF)». Internationale Experten stellen an diesem Anlass ihre neuesten Forschungsresultate vor. Der in der Schweiz lancierte Wissenschaftskongress wird künftig weltweit stattfinden – im Jahresrhythmus abwechselnd in Bern, Nanjing und Baltimore.

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine der häufigsten Todesursachen bei Krebs. Zwei von drei Betroffenen sterben im ersten Jahr nach Erkrankung. Zum einen erfolgt die Diagnosestellung wegen der fehlenden Frühsymptome oft zu spät. Zum anderen ist die Behandlung schwierig, vor allem wenn ein Tumor bereits Metastasen gebildet hat. Die State-of-the-Art-Behandlung umfasst aktuell die operative Tumorentfernung und eine systemische Chemotherapie, bei inoperablen Tumoren eine palliative Chemotherapie. Neue Diagnostik- und Therapieansätze wie frühe Stoffwechselindikatoren, genetisches «Profiling» und neue Therapieansätze wie die Immuntherapie geben nun Anlass zur Hoffnung und ermöglichen neue Chancen für die Betroffenen.

Dringende Suche nach Screeningtests

Bauchspeicheldrüsenkrebs wird wegen der Symptomlosigkeit meist zu spät erkannt. Forscher auf aller Welt suchen deshalb dringend nach Markern, die ein Screening ermöglichen. So auch das Team um Professor Suresh T. Chari von der Mayo Clinic. Weil Diabetes bei Bauchspeicheldrüsenkrebs früh und häufig auftritt, zielen Charis Forschungsarbeiten auf die Untersuchung von damit zusammenhängenden Markern. Ein Marker für Pankreas-assoziierten Diabetes könnte so zu einer frühzeitigen Diagnosestellung führen, wenn ein Tumor noch heilbar ist. Betroffene hätten somit bessere Überlebenschancen.

Im Erbgut liegt der Schlüssel für die Therapie

Dank der DNA-Sequenzierung ist es heute möglich den genetischen Code eines Menschen zu entschlüsseln. Diese Technik hat auch in der Krebsbehandlung Einzug gehalten, denn die Genmutationen, die man in einem Tumor findet, liefern wichtige Informationen. Bereits heute weist das genetische Tumorprofil bei Dickdarmkrebs, Hautkrebs oder bei verschiedenen Hirntumoren klinisch den Weg zur personalisierten Therapie. Dr. Peter Bailey stellt am World Pancreas Forum vor, wie seine Forschergruppe mittels genomischen Analysen molekulare Subtypen des Pankreaskarzinoms identifizieren können. So konnte die Gruppe molekulare Taxonomien definieren, die künftig helfen könnten, bei dieser Krebsart die Behandlung zu steuern.

Moderne Chemotherapeutika verändern Behandlung signifikant

Forscher in aller Welt erforschen zeitgleich neue Therapieansätze. Wichtige Erkenntnisse dafür lieferte die European Study Group for Pancreatic Cancer, die die internationalen ESPAC-Studien durchführt. Professor John Neoptolemos stellt am diesjährigen World Pancreas Forum die wichtigsten Resultate vor: So zeigt die ESPAC-4-Studie eine 5-Jahres-Überlebensrate von 30% für die Kombination der Chemotherapeutika Gemcitabin und Capecitabin. Bei Patienten ohne Lymphknotenbefall steigt diese auf fast 50%. Auch das neue Chemotherapeutika mFOLFIRINOX kann eine 50%ige 5-Jahres-Überlebensrate erzielen.

Verschiedene Behandlungslinien, wenn eine Operation nicht mehr möglich ist

Bei der Behandlung des fortgeschrittenen Pankreaskarzinoms sind wichtige Vorteile erzielt worden, wie Professor Ulrich Güller in seinem Referat am «World Pancreas Forum» darlegt. Zum einen gibt es mehr Chemotherapeutika, die gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs wirksam sind. Zum anderen gibt es ein immer besseres Verständnis über die Besonderheiten von Tumoren, die für gezielte Therapien geeignet sind. Beispielsweise profitieren BRCA-mutierte Patienten von Olaparib.

Überlebensraten bei Kombination von Chirurgie und Chemotherapie deutlich verbessert

Pankreaskrebs ist nicht nur ein Schweizer Problem – sondern ein weltweites Thema. So spricht am Fachkongress ein Leiter eines des weltweit grössten Pankreaszentrums über seine Erfahrungen: Professor Markus W. Büchler aus Heidelberg. Obwohl die Sterblichkeit immer noch hoch ist, wurden in den letzten dreissig Jahren wesentliche Verbesserungen in der Therapie erzielt. Heutzutage bieten Kombinationsmethoden mit chirurgischen und onkologischen Therapien vielen Patienten als zuvor eine heilende Behandlung. Die 5-Jahres-Überlebensraten sind von unter 5% in den 1980er Jahren auf über 50% in modernen Behandlungsstudien gestiegen.

World Pancreas Forum wird wichtigster internationaler Fachkongress für Pankreaserkrankungen

Für Fortschritte ist der wissenschaftliche Austausch entscheidend, weshalb die Schweizerische Pankreasstiftung seit mehreren Jahren das «World Pancreas Forum (WPF)» durchführt, an dem sich auch dieses Jahr an die 300 internationale Fachexperten treffen. Die von Professor Kaspar Z‘graggen ins Leben gerufene wissenschaftliche Veranstaltung soll in den kommenden Jahren weltweit stattfinden – neu im Jahresrhythmus abwechselnd in Bern, Nanjing und Baltimore. Ähnlich dem WEF in Davos wird das Forum nun zum bedeutendsten globalen Fachkongress in diesem Fachbereich.

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- Medienmitteilung (Englisch)

Die Experten am Mediengespräch